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(Seite 1)




03 Ostargaan

DAS KASTELL

Begegnungen

Es war dereinst auf sandigem Pfade, dass der Jäger Thorwyn mit der Druidin Leyla ineinander geschmiegt flanierend einem steinernen Golem begegnete. Die Beiden erschraken gänzlich ungeschickt und flatterten wie aufgescheuchte Federträger auf dem staubigen Wege und fanden sich alsbald – so denn die Erklärung des Missgeschicks – im Kastell des finsteren Gottes wieder.

Da nun wanderten sie auf Schachbrettern in Richtung des steinernen Wächters, der ihnen, trotz eindeutigem Aufruf der Heerscharen des Kastells, gar große Augen und Fragezeichnen ins Gesicht zeichnete. Sie waren klein und nichtig wie Ameisen in einer Speisekammer und beständig auf der Suche nach billigem Rat.
Was aber blieb ihnen, als bei dem Spieler einer Schau, der bartlose Miene Sinistro, die keine Fratze verzog, den Teuren zu erstehen. Und dieser teure Rat zwang ihnen auch sogleich ein Gespräch mit diesem seltenen Exemplar eines Hohepriesters auf.

Mit rätselhaften Sätzen und verwirrenden Satzgefüge wies der Meister der schwarzen Magie die Eindringlinge, welche sie noch ohne Spende waren, auf die Tat hin, die sie zu leisten hatten. Mit viel Staunen und noch mehr Bewunderung bedeckten die den goldenen Teller des Vabuns mit Münzen, um dann, sich freigekauft glaubend, direkt von ihrem Leid zu plaudern.

So stöhnte der Jäger dem Priester etwas von einem steinernen Monster vor. Dieser jedoch ahnte bereits, dass es ein Golem – oder ein Gargoyle – gewesen sein musste, die beim besten Willen nicht in die priesterliche Vorstellung von einem Monster passten.

Sogleich verwies seine spektakuläre Signifikanz Sinistro auf die Bibliothek des Kastells. Die universelle Lösung eines jedes schwarzmagischen, magischen und weltlichen Problems. Ein einmaliger Kunstgriff, bloß gebrochen von der leidenschaftlichen Führung jener Beiden in das Refektorium. Dort wies der Meister des funkellosen Wortgefechts – seine Opfer waren ihm nicht ebenbürtig – auf eine weitere Spezialität des Kastells hin. Dem Erdenken von Essen.
Es kommt, so will man sagen, an jedem Ort dieser Welt zu ungewöhnlichen Begegnungen, die vollkommen gewöhnlich scheinen. Doch was wäre geschehen, wären Leyla und Thorwyn nicht dem Hohepriester Sinistro begegnet und hätte dieser ihnen nicht zu Spenden und zu Essen erklärt und auf die Bibliothek aufmerksam gemacht? Hätten sie je wieder einen Weg hinaus gefunden, ohne zu verhungern? Hätten sie sich je wieder getraut, diesen Weg, selbst wenn sie ihn gefunden hätten, zu gehen, lauerte vor dem Tore doch ein steinernes Monster?
Die Ehre des Kastells gebietet, sie kraftlos in seinen Weiten versacken zu lassen, und die Ehre der Schwarzmagier, dies zu verhindern. Oder ist alles nur Schein und Illusion, was geschrieben steht?

Und so fanden sich der Jäger und die Druidin nach einer Woche vor dem Tore wieder. Alle Arme, alle Beine, alle Augen, alle Köpfe waren noch an ihrem Platz. Sie waren frei, um eine Erfahrung reicher und bereit, so glaubten sie, der Zukunft entgegen zu treten. Nach letzten Meldungen jedoch wurden sie von einer Truppe setarrifscher Soldaten vor einer Höhle des Weißaugengebirges aufgegriffen. Welch böse Wendung…

(--Ardescion)

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