Portal-Zone Gothic-Zone Gothic II-Zone Gothic 3-Zone Gothic 4-Zone Modifikationen-Zone Download-Zone Foren-Zone RPG-Zone Almanach-Zone Spirit of Gothic
English Deutsch
World of Gothic




Bert Speckels | Bodo Henkel | Christian Wewerka | Heiko Klinge | Johann Ertl | Kai Rosenkranz | Mattias Filler | Nico Bendlin | Ralf Marczinczik | Reinhard Pollice | Tom Putzki |

Interview mit Christian Wewerka

"Es war schon irgendwie schräg, die eigene Stimme immer wieder aus dem Kinderzimmer zu hören."



World of Gothic: Ich freue mich, dass du Zeit gefunden hast für unsere Fragen. Als derjenige, der der Hauptfigur in den Gothic-Spielen seine Stimme leiht, hast du natürlich eine gewisse Bekanntheit bei den Fans der Spielereihe erlangt. Wenn ich mir deine Arbeiten anschaue, fällt auf, dass die Arbeit als Sprecher eher nicht zu deinen Hauptbeschäftigungen zählt. Wie bist du damals zu der Rolle gekommen?

Wewerka: Das entspricht so nur zum Teil den Tatsachen. Richtig ist, dass ich mich immer eher als Schauspieler verstanden habe, denn als Sprecher. Andererseits habe ich schon Jahre bevor „GOTHIC“ überhaupt entwickelt wurde, einen Großteil meines Einkommens als Sprecher generiert. Allerdings war ich da eher im Bereich Werbung unterwegs. Diese Sparte des Jobs ist nach wie vor die einträglichste von allen. Ich habe z.B. – neben unzähligen anderen Produkten – ca. 16 Jahre lang die tagesaktuelle Rundfunk- und TV Werbung für eines der bekanntesten deutschen, wöchentlich erscheinenden, Printmedien gesprochen.

Damals war ich im Engagement am Stadttheater Würzburg unter dem Intendanten Tebbe Harms Kleen – Gott sei seine Seele gnädig – dem ich in den Jahren dort sehr viele großartige Rollen zu verdanken habe.

Um die an Theatern übliche, eher bescheidene, Gage aufzubessern, fing ich an, mich in Frankfurt am Main bei Tonstudios als Sprecher vorzustellen. Mit einigem Erfolg. Unter anderem auch bei m&s Music. Martin und Steffan hatten damals einen sehr guten Draht zur Game Industrie. Die Jungs luden mich hin und wieder ein, um kleinere Rollen in meist amerikanischen Games, die den deutschen Markt zugänglich gemacht werden sollten, einzusprechen.

Einmal bestellten mich die beiden für einen „etwas umfangreicheren Job“ ins Studio. Als ich zu dem Termin kam, saßen da zwei junge Männer mit verwuschelten Haaren in verwaschenen Sweatshirts und wurden mir als Entwickler eines deutschen Computerspiels vorgestellt. Ihr werdet euch denken können, welchen Name dieses Spiel tragen sollte ...?! Richtig!

Es gab einen Haufen an Text zu sprechen und die Gage war eher klein. Ich stellte mich also in die Sprecherkabine und legte los. Insgeheim schmunzelnd, mit den Gedanken: „ Jungs, ein deutsches Game? Im Ernst! Macht euch nicht lächerlich, ich sehe euch hier nie wieder.“ Ja und zur Freude aller Beteiligten und zahlreicher Fans hatte ich mich sowas von geirrt!

World of Gothic: Bist du selbst Computerpiel-affin oder hast sogar selbst einmal eines der Gothic-Spiele ausprobiert? Wie ist es da, sich selbst zu hören? Ist das ein ähnliches Erlebnis wie die eigenen Filme zu schauen? Oder vermeidet man das?

Wewerka: Ok, ich oute mich jetzt mal, und hoffe sehr, dass mir das die Gothic-Fans nicht übel nehmen, als Non-Gamer.
Mal abgesehen von Erfahrungen bei Spielen, die man Anfang der 80ger-Jahre in Kneipen, neben Flippern, Dart, Poolbilliard usw. finden konnte, gehöre ich zu den Leuten, die erst relativ spät Berührung mit Computern hatten.

Meinem ersten PC habe ich 1995 erstanden, mit sagenhaften 16 MB Arbeitsspeicher und 2 GB Festplatte befand ich mich damals im oberen Consumer-Segment.

Anfangs habe ich mal einige Spiele versucht, aber für mich schnell erkannt, dass mich das zu viel Zeit kostet. Außerdem spielte und spiele ich in meinem Beruf als Schauspieler ja ohnehin immer. Ich bin sozusagen eher dem Life-Rollenspiel verfallen.

Meine Söhne spielten zu der Zeit, als „ GOTHIC“ erschien, jedoch sehr gerne und ich hatte natürlich Belegexemplare der jeweiligen Teile bekommen. Es war schon irgendwie schräg, die eigene Stimme immer wieder aus dem Kinderzimmer zu hören.



World of Gothic: Meist bist du eher im Theater oder in Fernsehrollen zu sehen. Waren die Aufnahmen als Sprecher für dich eher ein interessanter zufälliger Ausflug oder wolltest du gezielt auch das einmal ausprobieren?

Wewerka: Ich hab ja weiter oben schon erwähnt, wie es dazu gekommen ist. Aber ja, ich bin seit jeher neugierig und experimentierfreudig. Am liebsten würde ich alles ausprobieren. Und ich tue das auch. Reiten, Tauchen, Gleitschirmfliegen, Motorradfahrer, Segeln usw. Es gibt zum Glück noch unzählige Dinge, die man kennenlernen kann. Und ja, neue Aufgaben in meiner Branche gehören auch dazu. Wie z.B. Regie führen, Drehbücher schreiben und vieles mehr. Und natürlich auch immer wieder neue Rollen.

World of Gothic: Wie bereitet man sich auf eine Sprecherrolle vor? Gibt es da Anweisungen seitens des Aufnahmestudios, wie eine Rolle angelegt ist? Liest man sich eine allgemeine Charakter-Beschreibung durch? Da Mimik und Gestik, alles Visuelle fehlt, bleibt ja nur die Stimme, um das, was einen Charakter ausmacht, darzustellen.

Wewerka: Ich muss gestehen, dass ich mich speziell für die Rolle des namenlosen Helden überhaupt nicht vorbereitet habe. Ich hab da einfach spontan irgendwie den Nerv getroffen. Ich war damals, zum Glück, was das Games sprechen anbelangt noch sehr unerfahren und bin da deshalb sehr naiv und geradeheraus rangegangen. Und das war wohl auch gut so.

Ich habe erst sehr viel später mitbekommen dass die meisten Sprecher in Games ihre Stimme verstellen und sich damit für meinen Geschmack irgendwie gekünstelt und nicht so wirklich authentisch anhören. Ich nehme an, das ist so gewollt, oder alle machen das so ... weil es eben alle so machen. Ich wusste das nicht und hab es deshalb eben nicht so gemacht.

Vielleicht ist das der Grund, warum ich danach auch nie wieder eine nennenswerte Rolle in einem Spiel gesprochen habe?

World of Gothic: Was hast du eigentlich von der Story von Gothic mitbekommen, wenn du „nur“ eine lange Liste von Sprachfiles eingesprochen hast? Oder gab es dazu eine Art Briefing durch Piranha Bytes, den Entwicklern des Spiels?

Wewerka: Ja, natürlich wurde mir von den Entwicklern erzählt, worum es geht und was in der Geschichte so passiert oder besser passieren kann. Bei den Sessions für die ersten Teile war ja auch Kai mit mir zusammen im Studio. Er hat sich jeden einzelnen Take mit angehört und wenn etwas für ihn nicht passend schien, haben wir es so lange korrigiert, bis er zufrieden war.

World of Gothic: Wie lange brauchtest du, um sämtliche Dialoge eines Gothic-Spieles zu vertonen? Das ist ja schließlich jedes Mal verdammt viel Text, da ist man ja sicher wochenlang beschäftigt.

Wewerka: Also, ganz so lange hat das nicht gedauert, ich weiß es jetzt nicht mehr für jeden einzelnen Teil. Ich weiß noch, dass der dritte Teil wohl am längsten dauerte, weil der ja auch am komplexesten ist. Aber mehr als drei Acht-Stunden-Schichten waren das pro Spiel nicht. Ich spreche jetzt aber nur von meiner Rolle. Also ausschließlich die Texte des Helden. Wie lange der Rest gedauert hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

World of Gothic: Gab es spezielle Begriffe in den Dialogen, die du vor den Sprachaufnahmen zu Gothic noch nie gehört hattest? Und erinnerst du dich bei der Arbeit an den Gothic-Spielen an irgendwelche Dialoge, die du mehrmals sprechen musstest, ehe alles passte?

Wewerka: Ja, natürlich diese ganzen Namen von Städten, den andere Charakteren von Orden und Artefakten, eben diese ganzen Fantasienamen hatten es in sich. Nicht alle, aber einige dafür umso mehr. Aber welche jetzt im Einzelnen, kann ich nach so langer Zeit nicht mehr sagen.

World of Gothic: Bist du schon einmal von Gothic-Fans auf deine in Spielerkreisen populäre Rolle als Namenloser Held angesprochen worden oder hattest eine Begegnung mit Gothic-Fans außerhalb deines beruflichen Umfeldes.

Wewerka: Oh ja, aber das nimmt natürlich ab, je länger das her ist. Da der Game-Markt sehr fluktuiert und schnelllebig ist, trägt auch das seinen Teil dazu bei!

Es gab aber tatsächlich Situationen, dass ich mich zum Beispiel in einem Fahrstuhl eines Kaufhauses oder so, mit jemandem unterhielt und sich dann Leute, die vor mir standen, begeistert mit den Worte „Der namenlose Held!“ zu mir umdrehten. Sowas ist öfter vorgekommen.

Und an Filmsets, traf ich sehr oft auf Techniker, oft aus dem Sound Department, die den Helden an meiner Stimme erkannt haben. In diesen Departments arbeiten offensichtlich viele Zocker.

World of Gothic: Wie sehr hat sich deine Arbeit im letzten Jahr durch die Covid-Pandemie verändert? Gerade an den Theatern und Schauspielhäusern ist die Situation ja sicher sehr schwierig mit der seit vielen Monaten aus Infektionsschutzgründen verhängten Schließung.

Wewerka: Diese Pandemie und vor allem die zum Schutz gegen die Pandemie verordneten, zum Teil doch recht willkürlich anmutenden Maßnahmen haben alles verändert. Ich hatte Glück! Bis jetzt bin ich gut über die Runden gekommen.

Und es wird ja auch immer noch gedreht. Allerdings weniger und viele Dinge werden jetzt wahrscheinlich erstmal gar nicht oder vereinfacht und abgespeckt geplant. Es ist eben alles etwas unsicherer und aufwendiger als sonst, und das macht den Verantwortlichen Angst. Und Angst ist der Tod der Kreativität.

World of Gothic: Wie siehst du die ganzen aktuellen Änderungen bei Filmfestivals – aktuell der Berlinale – aber eben auch vielen weiteren, die letztendlich auf ein virtuelles Format umgestiegen sind, solange die Kontaktbeschränungen aus Pandemieschutzgründen aufrechterhalten werden? Fehlt ein essentieller Teil des künstlerischen Lebens, des Austausches mit Kollegen?

Wewerka: Natürlich fehlt das! In allen kreativen und künstlerischen Bereichen. Begegnung ist das, was den Unterschied macht – sonst verkommt alles zum Fernsehen. Bitte versteht mich nicht falsch, Fernsehen – also jetzt dann eher Streaming-Dienste – haben ihre Berechtigung und Gott sei Dank, dass es diese jetzt gibt! Ich meine damit nur, dass dann eben doch jeder mehr oder weniger allein zu Hause herumsitzt und es keinen menschlichen Austausch mehr gibt.



World of Gothic: Sind Arbeiten als Sprecher für Hörbücher und Ähnliches für dich ein Ausweg, um fehlende Engagements in Theater und Film zu überbrücken?

Wewerka: Ich habe mir die Möglichkeit geschaffen, von zu Hause aus in Studioqualität Sprachaufnahmen zu machen und in alle Welt zu schicken. Aber die letzten lukrativen Sachen, Podcasts für die Deutsche Bahn z.B., habe ich in einem Studio in Berlin Mitte eingesprochen, und wie gesagt: gedreht wird ja auch noch, es ist nur alles etwas weniger und komplizierter geworden.

World of Gothic: Manchmal hört man die Ansicht, dass die Rollen von Bösewichten meist interessanter sind, da sie als Charakter oft ambivalenter, widersprüchlicher angelegt sind. Hast du diese Erfahrung auch gemacht oder kannst du das eher nicht bestätigen?

Wewerka: Interessanter sind sie nicht unbedingt, würde ich sagen. Es kommt natürlich darauf an, wie sie geschrieben sind und um was für eine Geschichte es sich handelt. Dankbarer sind sie jedenfalls oft, weil oft pointierter. Dafür meist aber auch weniger komplex.

Aber eigentlich wäre da erstmal zu definieren, was ein „Bösewicht“ überhaupt ist? Denn im Grunde gibt es in der Charakterentwicklung sowas nicht oder wenn doch, dann sehr selten. Selbst große Diktatoren oder Mafiabosse usw. tun das, was sie tun, auch das, was wir normal Empfindende als böse bezeichnen, nicht weil sie böse sein wollen, sondern eher als eine Konsequenz ihrer Überzeugungen. So etwas aufzuspüren und sich dann – natürlich nur im Rahmen der Arbeit – in solche Überzeugungen für eine Rolle fallen zu lassen, kann durchaus interessant sein.

World of Gothic: Hast du eine Präferenz bei deinen Rollen, dass du bestimmte Charaktere oder Archetypen besonders gerne verkörperst oder im anderen Fall bestimmte Charaktere möglichst als Rolle meidest?

Wewerka: Nein, eigentlich nicht. Zugegeben bin ich nicht scharf darauf Nazis oder Kinderschänder und Vergewaltiger zu spielen. Aber für das richtige Projekt, mit der richtigen Gesamtaussage, dem richtigen Buch und Regisseur – warum nicht?

World of Gothic: Hast du schon erfahren, dass gerade wieder ein neues Gothic-Spiel in der Entwicklung befindlich ist? Genauer gesagt ein Remake des allerersten Gothic. Würdest du denn für eine neue Vertonung grundsätzlich wieder zur Verfügung stehen?

Wewerka: Ja, ich habe da was munkeln hören. Und ja, selbstverständlich würde ich das sehr gerne machen. Man ist aber diesbezüglich noch nicht an mich herangetreten. Da wäre wohl jetzt der Einsatz der Fans gefragt: lasst die Verantwortlichen wissen, wenn dem denn so sein sollte, dass ihr den Helden wieder mit vertrauter Stimme sprechen hören wollt. An mir soll es nicht scheitern.

World of Gothic: In welche aktuellen Produktionen bist du gerade involviert und wann kann man dich – zum Beispiel – wieder im Fernsehen sehen?

Wewerka: Ich habe gerade eine kleine Rolle in der Mini Serie ZERV für die ARD gedreht. Im Moment bin ich noch mitten drin, einen Kinofilm zu drehen, der aber erst frühestens Ende des Jahres fertig sein wird. Und ich drehe in den nächsten Tagen einen Spot für eine Frauenrechtsorganisation.

Außerdem wurde gerade gestern auf YouTube und allen Social-Media-Kanälen ein Musikvideo veröffentlicht, bei dem ich Regie geführt habe. Wer sich dafür interessiert, sollte mal bei meinem YouTube Profil vorbeischauen.

Und folgt mir auf Instagram @ch.w.werka und @human–faces–bln, da könnt ihr sehen, was ich als Fotograf so auf die Beine stelle!

Es bleibt spannend!
geschrieben von Don-Esteban



Username:
Passwort:
angemeldet bleiben:

Fanart